Mina

Mina – März 2018 bis Juli 2018

Zusammenfassung:

Am 14.3.2018 erhält die 17jährige Mina erstmals in der Notaufnahme eines Krankenhauses die ärztliche/psychotherapeutische Indikation zur psychotherapeutischen Akutbehandlung.

Mina findet ohne Wartzeit in einer Privatpraxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie einen Behandlungsplatz. Andere angefragte,kassenzugelassene Vertragstherapeuten können aufgrund zu langer Wartezeiten keine psychotherapeutische Akutbehandlung anbieten.

Am 15.3.2018 stellt Mina den ersten Antrag auf Kostenerstattung nach § 13 Abs3  SGB V bei ihrer Krankenkasse.

Bis zur Bewilligung durch die Krankenkasse am 27.6.2018 – über 3 Monate später – hat Mina:

  • sich bei 1 Ärztin und 2 Psychotherapeutinnen mit ihrem Problem offenbart
  • bei der Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung bis zu 30 Minuten in der telefonischen Warteschleife verbracht – ohne durchzukommen
  • 4 Anträge und 1 persönlichen Brief an ihre Krankenkasse geschrieben
  • 3 Ablehnungsbescheide der Krankenkasse, aber keine Terminvermittlung bei einem kassenzugelassenen Vertragstherapeuten durch die Krankenkasse erhalten
  • Auf eigenes Kostenrisiko die indizierte Akutbehandlung in einer Privatpraxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in Anspruch genommen

Als die Krankenkasse die Kostenerstattung bewilligt hatte, war die psychotherapeutische Akutbehandlung von Mina bereits erfolgreich abgeschlossen! Mina benötigte im Anschluß nach ein paar psychotherapeutischen Einzelsitzungen keine weitere ambulante Psychotherapie.


Minas Geschichte

Die 17jährige Mina befindet sich am Anfang ihrer schulischen Abschlußprüfungen.

Sie wird aufgrund einer akuten Belastungsreaktion mit schwerer psychischer und körperlicher Symptomatik in der Notfallambulanz eines Krankenhauses behandelt. Die behandelnde Ärztin stellt am selben Tag den Kontakt zu einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in einer Privatpraxis her, hier nutzt Mina am Folgetag einen Termin zum Erstgespräch. Die ärztlich gestellte Indikation für eine psychotherapeutische Akutbehandlung wird von der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin bestätigt. Mina kann ohne Wartezeit eine psychotherapeutische Akutbehandlung mit wöchentlichen Sitzungen bei der Psychotherapeutin in der Privatpraxis beginnen.

Mina entscheidet sich, wöchentliche Sitzungen Akutbehandlung bei dieser Psychotherapeutin ohne Wartezeit zu nutzen. Dafür muss sie das Risiko der Kosten voll auf sich nehmen.

Mina stellt im Anschluß an das Erstgespräch einen Antrag an ihre Krankenkasse auf Kostenerstattung nach § 13 Abs 3  SGB V von psychotherapeutischer Akutbehandlung im Rahmen der geltenden Psychotherapierichtlinien (24 Sitzungen je 25 Minuten, EBM 35152 oder 12 Sitzungen je 50 Minuten).

Hier die Antwort und Ablehnung der Krankenkasse vom 20.3.2018:

Selbständig  bemüht sich Mina – wie im Schreiben der Krankenkasse gefordert – um einen Sprechstundentermin bei einer weiteren Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (kassenzugelassene Vertragsbehandlerin). Diese Sprechstunde findet am 18.04.2018 statt. Die Notwendigkeit (Indikation) der psychotherapeutischen Akutbehandlung von Mina wird auch von dieser Kollegin auf der „Individuellen Patienteninformation aus der Psychotherapeutischen Sprechstunde“ schriftlich bestätigt und Mina ausgehändigt. Diese Psychotherapeutin kann aufgrund zu langer Wartezeiten die psychotherapeutische Akutbehandlung für Mina nicht anbieten.

Noch am selben Tag stellt Mina mit dieser Bescheinigung erneut einen Antrag an ihre Krankenkasse auf Kostenerstattung nach § 13 Abs 3  SGB V von psychotherapeutischer Akutbehandlung oder ambulanter Kurzzeittherapie im selben Umfang bei der Psychotherapeutin in Privatpraxis, die einen sofortigen Behandlungsbeginn anbieten kann und legt die schriftliche Indikation aus der Sprechstunde dazu.

Hier die Antwort und Ablehnung der Krankenkasse vom 24.4.2018:

Krankenkasse vom 24.4.2018

Mina gibt nicht auf. Am 3.5.2018 verfasst sie ein persönliches Schreiben an ihre Krankenkasse, in dem sie ihre psychische Instabilität und ihre große Sorge, die Schulabschlußprüfungen unter dieser psychischen Belastung nicht zu schaffen, sowie die dringende Notwendigkeit einer sofortigen psychotherapeutischen Behandlung darlegt. Sie äußert erneut den Wunsch, die Kosten für eine psychotherapeutische Akutbehandlung in der Privatpraxis erstattet zu bekommen.

Als Antwort erhält Mina am 16.5.2018 ein Schreiben von ihrer Krankenkasse, dass die Bearbeitungsfrist des Medizinischen Dienstes nun bis zum 8.6.2018 andauern würde, vorausgesetzt, die von ihr eingereichten Unterlagen seien vollständig.

Hier das Schreiben der Krankenkasse vom 16.5.2018:

Verunsichert fragt Mina telefonisch bei ihrer Krankenkasse nach. Bei dieser Gelegenheit erfährt sie, dass ein weiteres Schreiben an sie unterwegs sei, da von der behandelnden Psychotherapeutin in Privatpraxis ein mehrseitiges Gutachten für den Medizinischen Dienst der Krankenkasse erstellt werden müsse, um ihren Antrag auf Kostenerstattung bearbeiten zu können.

Hier das Schreiben der Krankenkasse vom 29.05.2018:

Dieses Schreiben erhält Mina am 1.6.2018, d.h. eine Woche vor Ablauf der von der Krankenkasse benannten Bearbeitungsfrist. Eine Kostenzusage für die Erstellung des Gutachtens durch die Psychotherapeutin erteilt die Krankenkasse Mina nicht.

Am 4.6.2018 erhält die Krankenkasse von Mina und der Psychotherapeutin das angeforderte Gutachten.

Ebenfalls am 4.6.2018 erhält Mina eine erneute Ablehnung der Krankenkasse mit der Begründung, dass sie nicht alle erforderlichen Unterlagen (insbesondere das Gutachten) beigebracht habe.

Hier das Schreiben vom 04.06.2018:

Am 11.6.2018 erhält Mina erneut Post von ihrer Krankenkasse:

Am 27.6.2018 erhält Mina die Bewilligung der erstmalig am 15.3.2018 beantragten Akutbehandlung im Kostenerstattungsverfahren. Die gesamte Akutbehandlung durch die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in Privatpraxis wurde nach 3 Ablehnungen rückwirkend von der Krankenkasse bezahlt.

Zu diesem Zeitpunkt war Minas psychotherapeutische Akutbehandlung mit 10 wöchentlichen Terminen bereits erfolgreich abgeschlossen – Ende Mai 2018 fand der letzte Behandlungstermin statt.

Mina geht es gut und sie hat ihren Schulabschluss bestanden – herzlichen Glückwunsch!